Monatsarchiv: Dezember 2008

Bretagne extravagant?

Bretonische Kultur ist toll. Vielfältig, vielseitig, aber grundsätzlich habe ich sie nie kompliziert, übergeigt oder extravagant erlebt. Besonders auffällig ist das bei einer Fest-Noz: Ein Festkommitee eines Ortes oder einer Stadt bereitet das Fest vor, meist stehen dann gestandene Bretonen in improvisierten Buden, verkaufen Cidre, Wein und andere Getränke, die Frauen des Ortes backen Crèpes. Das war zumindest meine Wahrnehmung der Fest-Noz, die ich bisher besucht hatte.

Das es auch anders geht habe ich jetzt gesehen, als ich mir die Webseite der Band Startijenn angeschaut habe: Diese bretonische Fest-Noz-Band hatte im November zwei Auftritte in Deutschland. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich gerne beim zweiten davon, am 28. in Augsburg, dabei gewesen wäre. Der Auftritt war im Parktheater im Kurhaus Göggingen, und man konnte das Konzert wohl nur bestuhlt erleben, entweder mit bretonischen Snacks und Getränken von Büffetstationen oder mit dem Menü des Abends:

WALTER’s Menü „Bretagne” (28.11.2008)

Bretonische Bouilliabaise von Edelfischen mit Sauce Rouille
Gefüllte Wachtel auf Piniencreme, Calvadosjus und Schmorgemüse
Crepes mit Cidregelee, Birnenkompott und Pistazieneis

36 Euro inkl. VÖSLAUER MINERALWASSER so viel Sie mögen

Für meinen Geschmack passt das kaum zu einer Fest-Noz. Davon abgesehen, dass ich mich frage, was an Wachteln und Edelfischen besonders bretonisch ist. Der Calvados kommt auch aus der Nachbarregion.

Für die Band selbst war es wohl auch ziemlich ungewohnt. Sie schreiben:

Wir kommen in Augsburg in Bayern an, wo wir in einem Theater spielen werden. Der Ort ist großartig. Wir haben keine Erfahrung, in einer solchen Umgebung zu spielen aber wir stellen uns gerne der Aufgabe. Man bittet uns, nicht zu laut zu spielen, nicht selbstverständlich für ein Paar von Biniou-Bombarde-Spielern. Das Publikum sitzt um Tische, wo es zwischen unseren beiden Abschnitten essen. Alles verläuft gut.

Zumindest der Band scheint es also gefallen zu haben. Um mir wirklich eine Meinung bilden zu können hätte ich dabei sein müssen. Grundsätzlich finde ich es ja immer gut, wenn bretonische Musik mal nach Deutschland schwappt, aber wahrscheinlich gefällt mir eine ausgewiesene Fest-Noz-Band traditionell wahrscheinlich noch etwas besser. Da bin ich fast von mir selbst erstaunt!

Ausblick

Noch habe ich natürlich keinen Gesamtüberblick, welche Neuigkeiten uns aus der Bretagne auf CD oder DVD insgesamt erreichen werden. Beim Stöbern im Internet sind mir dennoch einige aufgefallen, die mit Sicherheit den direkten Weg in mein CD-Regal nehmen werden. Sobald mich die Alben erreichen werde ich auch gleich meine Eindrücke hier im Blog mitteilen. Mehr lesen

Das BretagneBlog wünscht Frohe Weihnachten

Das BretagneBlog wünscht allen Lesern ein frohes und erholsames Weihnachtsfest. Wir sehen uns am 27. Dezember wieder mit einem Ausblick, auf welche CDs ich mich im neuen Jahr besonders freue!

Thorsten

Adventskalender, 24. Dezember: Cecile Corbel (2)

Cecile Corbel hatten wir ja am 12. Dezember schon im Adventskalender. Damals schrieb ich, sie sei der neue Stern am bretonischen Musikhimmel. Und das heutige Video ist auch richtig Weihnachtlich schön: Cecile Corbel mit “Sans faire un bruit”: Ohne ein Geräusch zu machen. Die richtige Musik für Weihnachten. Das neue Album jetzt vorbestellen!

Adventskalender, 23. Dezember: Freres Morvan, Red Cardell

Nach dem traditionellen Bagad gestern geht es heute traditionell weiter: Mit dem Kan ha diskan, dem traditionellen Wechselgesang der Bretonen, der Mitte des 20. Jahrhunderts wieder auflebte, und seitdem wieder stark auflebte. Grundsätzlich funktioniert er, indem der Vorsänger (kaner) eine Liedzeile singt, der Nachsänger (diskaner) die Liedzeile aufgreift und wiederholt. Und weil man sich das natürlich schlecht vorstellen kann, hier ein Video der Freres Morvan, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert haben zusammen mit Red Cardell. Tradition mit moderner Untermalung:

Natürlich kann man die Musik der Brüder auch hier auf CD kaufen. Und die von Red Cardell natürlich auch.