Bretonische Kultur ist toll. Vielfältig, vielseitig, aber grundsätzlich habe ich sie nie kompliziert, übergeigt oder extravagant erlebt. Besonders auffällig ist das bei einer Fest-Noz: Ein Festkommitee eines Ortes oder einer Stadt bereitet das Fest vor, meist stehen dann gestandene Bretonen in improvisierten Buden, verkaufen Cidre, Wein und andere Getränke, die Frauen des Ortes backen Crèpes. Das war zumindest meine Wahrnehmung der Fest-Noz, die ich bisher besucht hatte.
Das es auch anders geht habe ich jetzt gesehen, als ich mir die Webseite der Band Startijenn angeschaut habe: Diese bretonische Fest-Noz-Band hatte im November zwei Auftritte in Deutschland. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich gerne beim zweiten davon, am 28. in Augsburg, dabei gewesen wäre. Der Auftritt war im Parktheater im Kurhaus Göggingen, und man konnte das Konzert wohl nur bestuhlt erleben, entweder mit bretonischen Snacks und Getränken von Büffetstationen oder mit dem Menü des Abends:
WALTER’s Menü „Bretagne” (28.11.2008)
Bretonische Bouilliabaise von Edelfischen mit Sauce Rouille
Gefüllte Wachtel auf Piniencreme, Calvadosjus und Schmorgemüse
Crepes mit Cidregelee, Birnenkompott und Pistazieneis36 Euro inkl. VÖSLAUER MINERALWASSER so viel Sie mögen
Für meinen Geschmack passt das kaum zu einer Fest-Noz. Davon abgesehen, dass ich mich frage, was an Wachteln und Edelfischen besonders bretonisch ist. Der Calvados kommt auch aus der Nachbarregion.
Für die Band selbst war es wohl auch ziemlich ungewohnt. Sie schreiben:
Wir kommen in Augsburg in Bayern an, wo wir in einem Theater spielen werden. Der Ort ist großartig. Wir haben keine Erfahrung, in einer solchen Umgebung zu spielen aber wir stellen uns gerne der Aufgabe. Man bittet uns, nicht zu laut zu spielen, nicht selbstverständlich für ein Paar von Biniou-Bombarde-Spielern. Das Publikum sitzt um Tische, wo es zwischen unseren beiden Abschnitten essen. Alles verläuft gut.
Zumindest der Band scheint es also gefallen zu haben. Um mir wirklich eine Meinung bilden zu können hätte ich dabei sein müssen. Grundsätzlich finde ich es ja immer gut, wenn bretonische Musik mal nach Deutschland schwappt, aber wahrscheinlich gefällt mir eine ausgewiesene Fest-Noz-Band traditionell wahrscheinlich noch etwas besser. Da bin ich fast von mir selbst erstaunt!